Der Grüne Kommunalpolitiker Bernhard Christoph (2024)

Die Entscheidung mag ihm nicht leichtgefallen sein, aber er hat sie aus gutem Grund getroffen: Nach 24 Jahren verabschiedet sich Bernhard Christoph aus der aktiven Kommunalpolitik, die er als langjähriger Grüner Stadt- und Kreisrat mit viel Engagement, Ideenreichtum und Fachkenntnis geprägt hat. Nun sei es an der Zeit, Platz für die jüngere Generation und für mehr Frauen in den Gremien zu machen, ließ der 64-Jährige bereits im Sommer letzten Jahres seine Parteifreunde wissen. Damit bleibt er seinem Credo treu, welches er bereits vor sechs Jahren bei der Aufstellungsversammlung zur Kommunalwahl 2014 zum Ausdruck gebracht hatte: „Die Grünen sind in der Pflicht, sich regelmäßig zu erneuern. Der Wechsel muss sein.“

Bewegende Zeiten

Die Wurzeln seines politischen Wirkens reichen über 30 Jahre zurück, als sich der Klosterlangheimer im Januar 1989 den Lichtenfelser Grünen anschloss. Gründe dafür hatte der damals 33-Jährige gleich in mehrfacher Hinsicht. „Zum einen konnte ich mich schon immer mit der Umweltpolitik, der freiheitlichen Denkweise und den Grünen Werten einer offenen und toleranten Gesellschaft identifizieren. Zum anderen habe ich gemerkt, dass die Grünen hier in der Region sehr gute Arbeit leisten und das wollte ich unterstützen.“ Wie er mit einem Augenzwinkern verrät, wurde man in den 1980ern als Grüner und zugleich Beamter – er war als Ingenieur bei der Deutschen Bundesbahn tätig – schon etwas schräg angeschaut, und er sei natürlich froh, dass sich das geändert hat.

Seine technischen Fachkenntnisse wusste er nicht nur beruflich, sondern auch politisch zu nutzen. So stand er den Grünen in seiner Klosterlangheimer Nachbarschaft bereits vor seinem Parteibeitritt beratend zur Seite. Zu diesem Kreis zählte auch Doris Kleiner, die bei der Kommunalwahl 1990 erste Grüne Stadträtin in Lichtenfels wurde. Zwar trat Bernhard Christoph zu jener Zeit noch nicht als Kandidat an, brachte aber viele Ideen ein, insbesondere zur Verbesserung des öffentlichen Nahverkehrs und zur Gestaltung der Lichtenfelser Innenstadt. Hier lieferte er für das Wahlprogramm der Grünen einen vollständig ausgearbeiteten Entwurf für eine Fußgängerzone inklusive Spielflächen für Kinder – ein Konzept, das in Teilen zehn Jahre später verwirklicht wurde.

Stets sachlich und gut vorbereitet

Sein erstes Mandat folgte bei der Kommunalwahl 1996. Hier zog Bernhard Christoph als Nachrücker für Norbert Mages, der als Lehrer nach Südbayern versetzt wurde, gemeinsam mit Doris Kleiner in den Stadtrat ein. Besonders im Gedächtnis geblieben ist ihm dabei die zweite Sitzung. Hier sprach er sich vehement gegen den Bau der A 73 aus und ging ausführlich auf die negativen Auswirkungen des LKW-Verkehrs ein, was im Gremium mit der ,Märchenstunde des Bernhard Christoph‘ kommentiert wurde. „Solche Dinge muss man einfach aushalten“, verrät der ehemalige Stadt- und Kreisrat, und fügt hinzu: „Für mich war es immer wichtig, gut vorbereitet in Sitzungen zu gehen und bei der Argumentation immer sachlich zu bleiben, fern von jener Polemik“. Genau dieser Linie ist er in den darauffolgenden Amtsperioden stets treu geblieben. Als einziger Grüner Stadtrat setzte er sich von 2002 an für alle umweltrelevanten Themen ein. Besonders am Herzen lag ihm dabei die Gestaltung des Güterbahnhofs, wofür er einen Entwicklungsplan ausarbeitete, der die Aufwertung des Areals mit zahlreichen Grünflächen, eine Anbindung an die Mainauen und Nutzung als Naherholungsgebiet vorsah. Sechs Jahre später folgte der Höhepunkt seiner politischen Laufbahn, als Bernhard Christoph als Bürgermeisterkandidat antrat. Zwar hieß die Wahlsiegerin Bianca Fischer, doch in seiner Funktion als dritter Bürgermeister war es ihm von 2008 bis 2014 wichtig zu zeigen, „dass das auch ein Grüner kann“. Zugleich zog er erstmals auch in den Kreistag ein.

„Vater“ der Keltenwege

Über sein politisches Wirken hinaus engagierte sich Bernhard Christoph zudem im Bereich Bodendenkmalpflege. Der leidenschaftliche Hobbyarchäologe gilt als „Vater“ der Keltenwege, einem rund 100 Kilometer langen Wegenetz durch die Bad Staffelsteiner und Ebensfelder Flur. Hier steckte er als Projektleiter viel Mühe, Schweiß und Herzblut in jahrelange Planungen, Diskussionen, Recherchen und Fördermittelanträge, bis die acht Rundwanderwege und 51 Infotafeln schließlich im Jahr 2015 feierlich eröffnet werden konnten.

Trotz seines Rückzugs aus der Politik und seinem nahenden beruflichen Ruhestand dürfte es dem mittlerweile zweifachen Opa alles andere als langweilig werden. Wenn ihn nicht gerade seine Familie auf Trab hält, wird er seine Kenntnisse künftig als Verbandsrat in den Zweckverband Konventbau Klosterlangheim einbringen und natürlich auch dem Grünen Kreisverband weiterhin mit Rat zur Seite stehen. Was er sich von der Politik in Zukunft erwarte? Hier hat Bernhard Christoph ganz klare Vorstellungen: „Ich wünsche mir, dass unsere Politiker die Entschiedenheit, die sie momentan bei der Coronakrise zeigen, endlich auch bei beim Klima- und Umweltschutz an den Tag legen.“

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